Hannes Heer: Die Vertreibung der Juden aus der Oper

05.11.2009 (18:00 - 20:00)

Hamburg - Stuttgart – Darmstadt. Ein Vergleich

 

 

Hochschulstraße 12

Gebäude S2/02 der TU Darmstadt, Raum C120

Beginn 18.00 Uhr

Eintritt frei

 

Einigkeit bestand unter den Exekutoren der Vertreibung der Juden, dass diese aus rassischen Gründen unfähig seien, eigene Kunstwerke zu schaffen, sie sich aber in den Kulturen höherstehender Völker einnisteten, um diese zu zersetzen. Daher könne nur die „restlose Ausscheidung“ der Juden diese drohende Zerstörung vom deutschen Volk abwenden. Die Durchführung dieses Programms verlief allerdings überall anders. Diese Differenz resultierte aus unterschiedlichen politischen, künstlerischen und personellen Bedingungen: Gab es stabile demokratische Landesregierungen, die die Freiheit der Kunst garantierten? Waren die jeweiligen Theater der Moderne verpflichtet oder verstanden sie die Bühne als Ort der Erbauung und der Unterhaltung? Wie massiv versuchte der Kulturkampf christlicher und deutschnationaler Parteien und Zeitungen Einfluss auf die Spielpläne zu nehmen? Wie stark wurde er mit antisemitischen Parolen geführt und inwieweit bereitete er die späteren Maßnahmen der Nazis Vorschub? Standen die Theaterleitungen auf dem Boden der Republik oder kollaborierten sie frühzeitig mit der NSDAP? Gab es Nazizellen in den Theatern, die aktiv die Vertreibung ihrer Kollegen vorbereitete und durchführte oder musste diese von oben exekutiert werden? Die Beantwortung dieser Fragen erlaubt eine Antwort darauf, warum 1933 und später am Hamburger Opernhaus 29, in Stuttgart nur 24 und in Darmstadt mehr als 60 Ensemblemitglieder vertrieben wurden.

 

Hannes Heer Geboren 1941 in Wissen/Sieg. 1968 Staatsexamen in Geschichte und Literaturwissenschaft an der Universität Bonn. Er arbeitete als Rundfunkjournalist und Buchautor, als Dramaturg am Deutschen Schauspielhaus Hamburg und an den Städtischen Bühnen Köln sowie als Filmregisseur für ARD und ZDF. 1993 bis 2000 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Hamburger Institut für Sozialforschung und Leiter des Ausstellungsprojekts „Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944“. 2004 realisierte er zusammen mit Petra Bopp und Peter Schmidt die Ausstellung „Viermal Leben. Jüdisches Schicksal in Blankenese“. Er veröffentlichte zahlreiche Publikationen zur Geschichte von Nationalsozialismus, Krieg und Nachkriegserinnerung.

 

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