Jürgen Kesting: Die Stimme des Leids
15.10.2009 (18:00 - 20:00)
Jüdische Sänger und Kantoren
Hessisches Staatsarchiv Darmstadt,
Karolinenplatz 1, Beginn 18.00 Uhr
Eintritt frei
Der Vortrag behandelt zum einen einige der großen Kantoren wie Sirota und Rosenblatt, die zu ihrer Zeit berühmt waren und auch Konzerte gesungen haben. Zu hören sind liturgische Gesänge, die Aufruf, Gebet und Lamento sein können. Ferner werden Sänger behandelt, die als Kantoren begonnen haben und dann weltberühmte Opernsänger wurden: Hermann Jadlowker, J. Schwarz, Richard Tucker, Friedrich Schorr, Alexander Kipnis, Jan Peerce, Leonard Warren u.a.. Eine zentrale These ist, dass es Stimmen gab, die gleichsam wie eine zitternde Nadel die Bedrohungen angekündigt haben – Stimmen also des Leids – und todberührte Stimmen wie die von Joseph Schmidt, bei dem selbst ein heiteres Lied in den Ton der Melancholie oder Elegie getaucht war.
Jürgen Kesting, geboren 1940 in Duisburg, studierte in Köln und Wien Germanistik, Anglistik und Philosophie. Nach vier Jahren als Presse-Chef der Kölner EMI-Electrola und der Münchner Eurodisc arbeitete er seit 1973 als Redakteur, Ressortleiter, geschäftsführender Redakteur und Autor für den Stern. 1993 Wechsel zu der neu gegründeten Zeitung Die Woche. Seit Herbst 1997 entwickelte er ein Musikmagazin (AMADEO) für Gruner & Jahr. Nach vielen Musiksendungen im Rundfunk veröffentlichte er 1986 ein dreibändiges Werk Die großen Sänger, das 2008 als vierbändige Ausgabe neu erschien. 1990 folgte eine inzwischen in viele Sprachen übersetzte Monografie über Maria Callas, 1991 ein Buch-Essay über Luciano Pavarotti. Im NDR war er zehn Jahre lang verantwortlich für eine wöchentliche Musikreihe über große Sänger. Für SFB, NDR, MDR und SDR produzierte er eine 26-teilige Reihe über Maria Callas, für die ARD eine 13-teilige TV-Serie Die großen Tenöre. Neben der Musik gehört die Kulturpolitik zu den Schwerpunkten seiner Arbeit.