Stephanie Zibell: Der Gauleiter Jakob Sprenger
22.10.2009 (18:00 - 20:00)
Leben und politisches Wirken 1884 bis 1945
Hessisches Staatsarchiv Darmstadt,
Karolinenplatz 1, Beginn 18.00 Uhr
Eintritt frei
In ihren Zuständigkeitsbereichen galten die Gauleiter der NSDAP als Stellvertreter Hitlers und wurden daher auch als „Vizekönige des Dritten Reiches“ bezeichnet. Einer von ihnen war Jakob Sprenger (1884-1945), zuständig für den Gau Hessen-Nassau. Dieser Gau wies einige Besonderheiten auf, denen der Gauleiter gerecht werden musste, wenn er sein Amt erfolgreich bekleiden wollte.
Hierzu gehörte die Aufgabe, zwei ursprünglich unabhängige Gaue zu einer Einheit zu verschmelzen. Einfach war das nicht, doch Sprenger gelang es, sich durchzusetzen und den gesamten Gau nach seinen Vorstellungen zu organisieren. Am Ende lag in seiner Hand nicht nur die parteiamtliche, sondern außerdem noch die staatliche Macht. Mit welchen Mitteln er zu diesem Erfolg gelangte und welche persönlichen Eigenschaften er hierfür mitbrachte, soll im Rahmen des Vortrags dargestellt werden. Um dies herauszufinden, ist es erforderlich, einen Blick auf seine Biographie zu werfen und darzulegen, wie eine Gauleitung im Groben funktionierte.
Beachtung finden darüber hinaus die Gründe, die Sprenger Anfang der 1920er Jahre dazu bewegten, sich der NSDAP zuzuwenden, und welche Hoffnungen die in Sprengers Gau lebenden Menschen mit dieser Partei verbanden. Es gilt also zu eruieren, welchen Einfluss zum Beispiel die Besatzungszeit (1918 bis 1930), der Antisemitismus, die Wirtschaftskrise(n), die die Weimarer Republik erschütterten, oder die Instabilität, die das politische System Weimars kennzeichneten, auf die Entwicklung des Nationalsozialismus im Gau Hessen-Nassau hatte.
Dr. Stephanie Zibell, Jahrgang 1966, studierte Politikwissenschaft, Germanistik und Publizistik; 1992 Magister Artium, 1999 Promotion, 2003 Habilitation. Seither Privatdozentin am Institut für Politikwissenschaft an der Uni Mainz mit den Schwerpunkten Zeitgeschichte und Politisches System der BRD. Wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Zeit des Nationalsozialismus und den Anfängen der Bundesrepublik Deutschland, zum Beispiel „Jakob Sprenger (1884-1945). NS-Gauleiter und Reichsstatthalter in Hessen“ (Darmstadt 1999) und „Politische Bildung und demokratische Verfassung – Ludwig Bergsträsser (1883-1960)“ (Bonn 2006). Außerdem rege Beschäftigung mit Regionalgeschichte, zum Beispiel „Rheingeschichten“ (Frankfurt am Main 2008), „Rheingaugeschichten“ (Frankfurt am Main 2009) und „Der Freistaat Flaschenhals“ (Frankfurt am Main 2009).