Workshop im Staatsarchiv
10.10.2009 (10:00 - 16:00)
„...und ersuche Sie gleichzeitig, das Theatergebäude bis auf weiteres nicht zu betreten.“ Die Vertreibung der „Juden“ aus den hessischen Theatern 1933 bis 1945
Einladung zum Workshop im Hessischen Staatsarchiv Darmstadt, 10. Oktober 2009,
10 – 16 Uhr
Das Landestheater Darmstadt zum Gegenstand einer Ausstellung über die ab 1933 einsetzende Vertreibung der jüdischen und politisch untragbaren Ensemblemitglieder zu machen, ist nicht nur erfolgt, weil Darmstadt damals die Hauptstadt des Volksstaats Hessen war. Es lag auch nahe, weil das Landestheater vor allem unter dem stilbildenden Intendanten und Regisseur Gustav Hartung als eine der spannendsten Bühnen, als Deutschlands „wichtigstes Provinztheater“ galt. Aber auch die Staatstheater Wiesbaden und Kassel wie das Stadttheater Frankfurt waren Spiegel der damaligen ästhetischen Revolution auf den deutschen Bühnen. Das machte sie – wie das Darmstädter Landestheater – zum Hassobjekt des vom deutschnationalen Bürgertum getragenen Kulturkampfes, der ab 1929/30 von der NSDAP dominiert und radikalisiert wurde.
Auch der Aufstieg der Nazipartei, deren Wahlergebnisse im Volksstaat wie in den übrigen hessischen Gebieten über dem Reichsdurchschnitt lagen, verdankt sich gemeinsamen Bedingungen – der radikal-antisemitischen Böckel-Bewegung am Ende des 19. Jahrhunderts und den gewalttätigen völkischen Gruppen in der Frühzeit der Weimarer Republik. Die politischen Biografien der regionalen Führer der NSDAP wie Ferdinand Werner und Werner Best im Volksstaat, Jakob Sprenger und Roland Freisler in Hessen-Nassau und Hessen Kassel verweisen auf diesen Hintergrund.
Es liegt nahe, angesichts dieser Tatbestände die Ausstellung „Verstummte Stimmen“ in Darmstadt zum Anlass zu nehmen, die Entlassungen der Juden und politisch untragbaren Ensemblemitgliedern aus den übrigen hessischen Theatern – ihre Gemeinsamkeiten wie ihre Unterschiede – herauszuarbeiten. Der Workshop dient diesem Ziel. Unterstützt wird der Workshop vom Kulturfonds RheinMain Frankfurt am Main und der Landeszentrale für politische Bildung Hessen.
Ablauf:
Ruth Wagner: Staatsministerin a.D., Darmstadt: Begrüßung
Hannes Heer, Historiker, Hamburg:
„Verstummte Stimmen“. Der Kampf um das Landestheater Darmstadt 1919 bis 1937
Sven Fritz, Historiker, Hamburg:
Die Vertreibung der „Juden“ aus den Theatern in Wiesbaden, Kassel, Mainz und Gießen
Heike Drummer/ Jutta Zwilling, Historikerinnen, Frankfurt a.M.:
„… wir haben bis zuletzt ausgehalten.“ Die Städtischen Bühnen Frankfurt am Main in der NS-Zeit, ihre Opfer und eine Kooperation der Erinnerung
Samstag, 10. Oktober 2009, Hessisches Staatsarchiv Darmstadt, Karolinenplatz 3, 64289 Darmstadt.
Kostenlose Anmeldung bis 1. Oktober 2009 unter workshop@verstummtestimmen.de
