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Paul Abraham
"Wo ging denn nun das Berliner Publikum hin, um seinen Amüsiertrieb zu stillen? Man besuchte die Uraufführung der neuen Abraham-Operette Ball im Savoy im Großen Schauspielhaus. Ein Werk, das auf ältestem Operettenschema basiert, mit einem mühevoll herbeigezogenen Happy End, und die Musik erschreckt durch die Skrupellosigkeit, mit der bekannteste Volksliedthemen und Strauß-Klänge zu Schlagern verarbeitet wurden." (Fritz Stege, in: Zeitschrift für Musik, Februar 1933.)

Der am 2. November 1892 in Apatin, Südungarn, geborene Paul Abraham - beschrieben als Prahler, Fantast und Epikuräer, als elegisch, hypochondrisch und als Mann mit dem Gespür für die populäre Melodie: "Reich mir zum Abschied noch einmal die Hände", "My Golden Baby", "Mausi, süß warst du heute nacht", "Du traumschöne Perle der Südsee" - entstammte einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie. Von 1910 bis 1916 studierte er an der Ungarischen Musikakademie und begann als klassischer Komponist. 1927 wurde er als Dirigent ans Budapester Operettentheater engagiert. Seinen ersten großen Erfolg hatte er mit der Musik für den Film Melodie des Herzens, 1929 in Berlin mit triumphalem Erfolg uraufgeführt. Die Jazzoperette Viktoria und ihr Husar (1930) verschaffte ihm Tantiemen von einer halben Million Mark und eine Rokoko-Villa in der Berliner Fasanenstraße. Ein Jahr später spielten über 60 Theater seine nächste Operette: Die Blume von Hawaii. Ebenso erfolgreich war er 1932 mit Ball im Savoy. Die Verfilmungen endlich machten ihn weltberühmt.

Der Höhenflug endete 1933. Die "Skrupellosigkeit beim Verschnitt" von Volksliedern und Strauß-Walzern, vor allem wenn von Juden betrieben, war fortan verboten. Abraham ging nach Wien und brachte mit seinem Librettisten Alfred Grünwald weitere Operetten - Mädchen im Grandhotel und Dschainah - mit effektvollen Einzeltiteln heraus, ohne an die Berliner Erfolge anknüpfen zu können. Nach der Annexion Österreichs im März 1938 ging er nach Paris, wo er in ärmlichen Verhältnissen lebte. Von dort floh er 1940 nach Kuba. Hier schrieb er die Musik für den Hollywood-Film Holiday in Mexico. Die letzte Etappe seines Exils war New York, wo der vormals Erfolgreiche auf die Unterstützung von Freunden und der Wohlfahrt angewiesen war. Im Januar 1946 wurde der zunehmend unter Depressionen leidende Komponist in die Psychiatrie eingewiesen, nachdem er auf der Madison Avenue ein imaginäres Orchester dirigiert hatte. Er verbrachte zehn Jahre im Credmoor Hospital von New York, bevor er durch den Hamburger Schriftsteller Walter Anatol Persich nach Hamburg zurückgeholt wurde. Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte er, zeitweise in geistiger Umnachtung, gemeinsam mit seiner Ehefrau Charlotte, die sich 1931 von ihm getrennt hatte, in Hamburg. Er starb am 6. Mai 1960.

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