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Sabine Kalter 
"Die Solisten-Auswahl, die schon im Dezember vorigen Jahres getroffen werden mußte, wird natürlich dahingehend abgeändert werden, daß keine jüdischen Künstler mitwirken. Frau Sabine Kalter und Herr Rudolf Serkin werden durch deutschstämmige Künstler ersetzt werden." (Aus einem Brief von Hermann Tams, Hamburger Philharmonische Gesellschaft, vom 6. April 1933.)
Sabine Kalter wurde am 28. März 1889 in Jaroslaw, Galizien geboren. Studium an der Wiener Musikakademie. Debüt 1911 an der Wiener Volksoper in Ermanno Wolf-Ferraris Der Schmuck der Madonna. 1915 als Nachfolgerin von Ottilie Metzger-Lattermann an die Hamburger Oper engagiert. Debüt als Amneris in Aida. Mit dramatischen Alt- und Mezzo-Partien in Opern Verdis und Wagners zwei Jahrzehnte Liebling des Publikums und die Primadonna des Hauses. 1927 Mitwirkung in der Uraufführung von Erich Wolfgang Korngolds Das Wunder der Heliane und 1929 in der Berliner Uraufführung von Paul Hindemiths Neues vom Tage. Seit den zwanziger Jahren Gastspiele in Belgien, Frankreich und immer wieder an der Wiener Staatsoper.
Im April 1933 wird ihr Vertrag für das Hamburger Reichs-Brahmsfest ohne öffentliche Ankündigung annulliert. Dennoch zögern die neuen Machthaber, die mittlerweile die meisten ihrer jüdischen Kollegen vertrieben haben, ein totales Berufsverbot auch für die Primadonna zu verhängen. Erst im November 1934 fällt die Entscheidung. Ihr Auftritt als Lady Macbeth am 5. Januar 1935 wird von inszenierten Störversuchen aus dem Publikum und gleichzeitigen Zustimmungsbekundungen begleitet. Am nächsten Tag flieht das letzte jüdische Ensemblemitglied nach England.
Sabine Kalter ist auch aus dem Exil öfter zu Veranstaltungen des Jüdischen Kulturbundes nach Nazideutschland gereist, so am 6. Dezember 1937 zu einem Liederabend in Hamburg. Nach dem Konzert erklärt ihr die Gestapo, dass sie in Deutschland unerwünscht sei - eine deutliche Drohung. Von 1935 bis 1939 ist sie Gast an der Covent Garden Opera in London. Als das Opernhaus mit Kriegsbeginn schließt, bleiben ihr vereinzelte Konzert-Auftritte und die Tätigkeit als Gesanglehrerin.
Sabine Kalter ist nach dem Krieg nur noch einmal, am 23. Oktober 1950, in Hamburg aufgetreten. Sie hat den gewaltsamen Einschnitt in ihrer Biografie nie überwunden. Am 1. September 1957 stirbt sie einsam und in bescheidenen Verhältnissen in London. Sie besaß eine warme, volle Mezzo-Stimme mit dunkel-reichem Klang und wurde als Nachfolgerin der legendären Ernestine Schumann-Heink angesehen.
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