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Lotte LehmannMit Stuecken auf der CD vertreten
"Warum verlassen Sie, die noch im vorigen Jahr wie keine andere Künstlerin […] gefeiert wurde […], dann ihre Heimat?" - "Warum? Weil ich mich in meinem Vaterland nicht mehr frei fühle, weil ich weiterhin frei leben und das Recht haben will, Stücke von Mendelssohn, Hugo Wolff oder Marx aufzunehmen, wie es mir gefällt." (Interview mit der Pariser Tageszeitung, 1938, Nr. 754.)

Lotte Lehmann, am 27. Februar 1888 in Perleberg geboren, kam aus einfachen Verhältnissen. Sie konnte noch keine Noten lesen, als sie mit 16 an Probesingen teilnahm. Kurzes Studium bei Etelka Gerster, dann bei Mathilde Mallinger. Am 2. September 1909 Debüt am Hamburger Stadttheater als zweiter Knabe in Die Zauberflöte. Drei Galeerenjahre in kleinen Rollen, seit 1913 Hauptrollen - Agathe, Micaëla, Figaro-Gräfin - im lyrischen Fach. 1914 erste Gastspiele in London und Wechsel an die Wiener Hofoper. Erstaufführung der zweiten Fassung von Ariadne auf Naxos - und Aufstieg auf den Olymp. Erbitterte Primadonnen-Duelle mit Maria Jeritza. Zum 100. Todestag Beethovens 1927 singt sie Leonore in Fidelio unter Franz Schalk. Es bleibt ihre Rolle - unter Clemens Krauss und Arturo Toscanini, der sie "ein Opernwunder" nennt. Herausragend sind ihre Porträts der Sieglinde, der Marschallin in Der Rosenkavalier, der Tosca.

1934 widersteht sie dem Versuch der Nazis, sie als deutschen Weltstar zu vereinnahmen und ausschließlich an Berlin zu binden. Außerdem soll sie sich von ihrem jüdischen Ehemann trennen. Sie erhält Auftrittsverbot für alle Bühnen des Deutschen Reiches und singt fortan überwiegend in Wien, zunehmend auch in den USA. In Wien entsteht die unvergleichliche Aufnahme des ersten Walküren-Aktes mit Lauritz Melchior unter Bruno Walter. Eine Salzburger Aufführung der Meistersinger unter Toscanini wird als "Wunder" gefeiert. Am 11. März 1938 erlebt sie den Einmarsch der Wehrmacht in Österreich. Sie flüchtet in die USA und bildet an der Metropolitan Opera New York mit anderen Emigranten - Lauritz Melchior, Friedrich Schorr, Alexander Kipnis, Emanuel List - ein legendäres Wagner- Ensemble. 1946 Abschied von der Bühne. Annahme der amerikanischen Staatsbürgerschaft. Konzerte bis 1951. Danach als Lehrerin in Santa Barbara. Lotte Lehmann stirbt dort am 26. August 1976.

Sie war eine der größten Primadonnen der Gesangsgeschichte mit einer vollen, klangüppigen und vibrierenden Sopranstimme, meisterhafter Phrasierung und großer verbaler Fantasie. Ihre Porträts zeichnen sich aus durch weibliche Wärme, erotische Sinnlichkeit und Spontaneität.

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