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Gustav Brecher
"Das Haus tobte derart, daß man während des gesamten Stückschlusses auf der Bühne, ich hatte dort Dienst, vom Orchester buchstäblich nichts mehr zu hören bekam. Brecher dirigierte die Oper kalkbleich zu Ende." (Bericht des Korrepetitors über die Leipziger Uraufführung von Brecht/Weills Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny.)

Der Dirigent, Komponist und Kritiker Gustav Brecher, geboren am 5. Februar 1879 nahe der damals österreichischen Stadt Teplitz-Schönau (Teplice), studierte in Leipzig bei Salomon Jadassohn. Richard Strauss brachte 1896 Brechers Tondichtung Rosmersholm heraus. Nach seinem Dirigentendebüt 1897 in Leipzig brauchte er nur vier Jahre, um neben Gustav Mahler an der Wiener Hofoper zu dirigieren. Dort bekam er zum ersten Mal die starken antisemitischen Strömungen zu spüren. 1903 wurde er erster Kapellmeister des Hamburger Stadttheaters und brachte 1911 Ferruccio Busonis Die Brautwahl heraus. Es folgten in gleicher Funktion Engagements in Köln und Frankfurt. 1924 wurde er Generalmusikdirektor und Opernintendant in Leipzig. Dort begünstigte er, wie es später im berüchtigten Lexikon der Juden in der Musik hieß, "zersetzende Tendenzen, indem er u. a. Kreneks Jazzoper Jonny spielt auf und Brecht/Weills Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny zur Uraufführung annahm". Tatsächlich war die Jonny-Aufführung ein epochaler Erfolg: Das Werk wurde die meistgespielte moderne Oper in Deutschland und nach der Premiere am 10. Februar 1927 an 60 europäischen Bühnen aufgeführt.

Im Frühjahr 1933 wurde Gustav Brecher seiner jüdischen Herkunft und der von ihm betriebenen "kommunistischen Propaganda" wegen zunächst beurlaubt und wenig später entlassen. Ein Versuch, 1934 als Leiter des Leningrader Radio-Orchesters in der Sowjetunion Fuß zu fassen und einen sicheren Ort zu finden, scheiterte. "Er fühlte sich ständig verfolgt", beschrieb der ungarisch-französische Dirigent Georges Sébastian Brechers damaligen Zustand. "Er hatte die fixe Idee, daß ihn irgendwo die Nazis doch noch erreichen würden." Im Juli 1934 wurden zwei seiner Kompositionen in einem Konzert des Jüdischen Kulturbundes in Frankfurt aufgeführt. 1936 brachte er in Prag, wo er offensichtlich Exil gefunden hatte, eine Neuinszenierung von Elektra heraus: mit Rose Pauly, Lydia Kindermann, Hilde Konetzni und Josef Schwarz. 1938 floh Gustav Brecher von Prag nach Belgien. Auf der Flucht vor den einmarschierenden deutschen Truppen nahmen er und seine Frau sich im Mai 1940 bei Ostende das Leben.

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