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Bruno Walter
"Man berichtete mir nun, es sei vom Propagandaministerium des Dr. Goebbels eine Warnung gekommen, man möge mein Konzert absagen, wenn man Unannehmlichkeiten vermeiden wolle. […] Es gelang Herrn Sachs [Walters Konzertagent], im Ministerium Dr. Funk zu erreichen, denselben, der später Präsident der Deutschen Reichsbank wurde, und er erhielt von ihm etwa folgende Antwort: ‚Verbieten wollen wir das Konzert nicht, denn es liegt uns nichts daran, Sie aus einer Verlegenheit zu ziehen oder gar Sie von einer Verpflichtung zur Bezahlung des Orchesters zu befreien. Wenn Sie aber das Konzert abhalten, können Sie sicher sein, daß alles im Saal kurz und klein geschlagen werden wird.'" (Bruno Walter über die Verhinderung seines Konzerts in der Berliner Philharmonie im März 1933.)

Bruno Walter, am 15. September 1876 in Berlin als Sohn einer deutsch-jüdischen Familie geboren, war eine pianistische Frühbegabung. Mit acht Jahren begann seine Ausbildung am Stern'schen Konservatorium in Berlin. Mit 13 spielte er Konzerte von Ignaz Moscheles. Unter dem Eindruck Hans von Bülows wählte er die Dirigentenlaufbahn. 1893 erstes Engagement in Köln. 1894 Assistent Gustav Mahlers an der Hamburger Oper. Nach Lehrjahren in Breslau, Pressburg, Riga und Berlin folgte er seinem Vorbild Mahler an die Wiener Hofoper. Nach dessen Tod dirigierte er die Uraufführungen von Das Lied von der Erde (1911) und der Neunten Symphonie (1912). 1911 nahm Walter die österreichische Staatsbürgerschaft an. Er war von 1913 bis 1922 Leiter der Münchner Oper, 1925 Generalmusikdirektor der Städtischen Oper Berlin und von 1929 bis 1933 Nachfolger Furtwänglers als Leiter des Leipziger Gewandhausorchesters. Dort wurde im März 1933 sein Konzert vom sächsischen Innenministerium verboten. Die Absage des Konzerts wiederholte sich in Berlin.

Bruno Walter flüchtet nach Wien. Dort wird er 1936 Direktor der Staatsoper. In Salzburg, wo er früher schon gastiert hat, dirigiert er epochale Aufführungen von Die Hochzeit des Figaro und Don Giovanni. Nach der Annexion Österreichs im März 1938 geht er nach Frankreich ins Exil und emigriert 1939 weiter in die USA, wo er die großen Orchester und viele Aufführungen der Metropolitan Opera dirigiert. Er wohnt in Kalifornien, nahe seinem Freund Thomas Mann. Aus dessen Hommage zum 60. Geburtstag des Dirigenten: "Ein geformter, erhellter Geist, dessen musikalisches Ingenium, wunderbar wie es ist, seine höhere Überlegenheit und Autorität, sein menschliches, fast möchte ich sagen: gesellschaftliches Befehlsrecht aus der Sphäre artikulierter Humanität, aus literarischer Sphäre bezieht." Am 17. Februar 1962 ist Bruno Walter in Beverly Hills gestorben.

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