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Paul Hindemith
"Selbst wenn man das theoretische Wissen Hindemiths anerkennt, müssen wir doch diese Kunst scharf ablehnen, weil sie bewußt auf Entseelung der Tonsprache ausgeht und damit die Musik in ihrem Lebenskern trifft. Hindemiths Musik ist der deutschen Art fremd, denn sie ist keine Kunst im höheren Sinne, vielmehr nur noch leeres Spiel mit Tönen, eine artistische akrobatische Kunstfertigkeit." (Hans Schröck, Nürnberger Musikbrief, in: Deutsche Bühnenkorrespondenz, Januar 1932.)
In beispielhafter Form manifestiert sich die Schizophrenie des Rachezuges gegen das fiktive "Musikjudentum" in den Auseinandersetzungen um den am 6. November 1895 in Hanau geborenen Paul Hindemith. Nach Jahren als Kammermusiker und Konzertmeister im Frankfurter Opernorchester provoziert er mit den Einaktern Mörder, Hoffnung der Frauen und Das Nusch-Nuschi 1921 in Stuttgart einen Theaterskandal. Seit 1922 Doppeltätigkeit als Komponist und als Bratscher des Amar-Quartetts. An der 1926 in Dresden unter Fritz Busch uraufgeführten Oper Cardillac entzündet sich der Streit um die "Zerstörungstendenzen dieser ganzen Kunst" und um einen Komponisten, der "überall zu Hause [ist], nur nicht in der deutschen Volksseele". Seine Werke verschwinden eine Zeit lang aus den Konzertprogrammen. Richard Strauss als Präsident der neu gegründeten Reichsmusikkammer will auf Hindemith nicht verzichten. Da er viele Sympathisanten unter Hochschul-Kollegen wie unter den neuen Machthabern hat, versucht Hindemith, im Hitler-Deutschland eine konstruktive Rolle zu spielen. Furtwängler sorgt am 12. März 1934 für die Uraufführung der Mathis-Symphonie. Auf das von Hitler sanktionierte Verbot der Oper Mathis der Maler reagiert der Dirigent am 25. November 1934 mit der Veröffentlichung seiner Argumente in der Deutschen Allgemeinen Zeitung: "Der Fall Hindemith". Da seine Gegner nicht einlenken, tritt der Dirigent am 4. Dezember als Staatsoperndirektor und als Vize der RMK zurück. Zwei Tage später wütet Goebbels im Sportpalast gegen den Komponisten. Die ausländische Presse berichtet über "die Geist- und Kunstfeindschaft der nationalsozialistischen Bewegung".
Hindemith lässt sich, unter Druck gesetzt, Ende 1934 als Lehrer der Berliner Musikhochschule beurlauben und nimmt einen Regierungsauftrag in der Türkei an. 1936 kommt es zum Aufführungsverbot seiner Werke. 1937 resigniert er und kündigt seine Stellung an der Musikhochschule. Am 28. Mai 1938 erfolgt die Uraufführung von Mathis der Maler in Zürich. Er emigriert in die Schweiz, im Februar 1940 weiter in die USA. Ruf an die Yale University und amerikanische Staatsbürgerschaft. 1953 Übersiedlung in die Schweiz und Lehrtätigkeit in Zürich. Doch fällt auf ihn, insbesondere wegen seiner "Lehre vom Tonsatz", der Bannstrahl der Nachkriegs-Avantgarde. Hindemith stirbt am 28. Dezember 1963 in Frankfurt.
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