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Bertha Dehn
"... die da unten sieht man nicht." Bertolt Brechts Diktum gilt für die vielen Orchestermusiker, Choristen, Tänzer, Techniker und Bühnenarbeiter, die nach dem Sieg der NSDAP entlassen, verfolgt, deportiert und ermordet wurden. Es sind viele Hunderte, deren Schicksale fast anonym geblieben sind oder nur dem engeren Umkreis der Opfer bekannt wurden. Doch liegt, mit einem Wort von Heinrich Heine, unter jedem Grabstein ein Stück Weltgeschichte begraben.
Die Arzttochter Bertha Dehn, geboren am 23. November 1881 in Hamburg, studierte am Bernuthschen Konservatorium und bei dem berühmten französischen Geiger-Komponisten Henri Marteau. Nach dem frühen Tod ihres Vaters 1897 lebte sie eine Zeit lang in England. Seit 1909 arbeitete sie in Hamburg als Geigenlehrerin. 1915 war sie die erste Frau, die ins Orchester des Stadttheaters aufgenommen wurde. 17 Jahre lang spielte sie unter den ersten Geigen. Warum sie 1932 unter die zweiten Geigen versetzt wurde, ist nicht bekannt.
1933 wurde die Musikerin jüdischer Herkunft entlassen - wegen Krankheit, wie es offiziell hieß. Sie blieb zunächst in Hamburg und lebte von einer kleinen Pension und bescheidenen Einkünften als Geigenlehrerin. Daneben spielte sie im Jüdischen Kammerorchester Hamburg und im Orchester des Jüdischen Kulturbundes Rhein-Main. Der Schreibtisch-Scherge Herbert Gerigk nahm sie in sein 1940 veröffentlichtes Lexikon der Juden in der Musik auf. 1941 fand sich ihr Name auf zwei Listen für die am 25. Oktober 1941 geplante Deportation nach Lodz. Buchstäblich in allerletzter Minute gelang ihr die Flucht nach Ecuador, möglicherweise dank eines Affidavits ihres schon dort lebenden Bruders. Nur mühsam konnte sich die 60-Jährige in Quito und Cuenca als Geigenlehrerin über Wasser halten. 1946 übersiedelte Bertha Dehn nach einem Schlaganfall ins brasilianische Porto Alegre. Sie lebte eine Zeit lang bei der Familie einer Studienfreundin, bevor sie 1948 nach Hamburg zurückkehrte.
Als Pensionärin der Staatsoper verbrachte sie ihre letzten Lebensjahre - krank und am Exil zerbrochen - im Jüdischen Altersheim in der Sedanstraße. Bei ihrem Großneffen Thomas Brandis, dem späteren Konzertmeister des Berliner Philharmonischen Orchesters, nahm sie noch einmal Geigenunterricht. Am 17. April 1953 ist Bertha Dehn in Hamburg gestorben.
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