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Foto © Nationalarchiv Der Richard-Wagner-Stiftung, Bayreuth / Studio Klaus Niermann Hamburg / Foto: E. Bieber
Herbert JanssenMit Stuecken auf der CD vertreten
"Herbert Janssen dürfte die Titelrolle singen. Der Künstler hat alle Engagements in Deutschland gelöst, da er sich mit den Prinzipien des Dritten Reiches nicht einverstanden erklärte, und sogar einen Fünfjahreskontrakt mit der Wiener Staatsoper annulliert (nach Einmarsch der Nazis in Wien. Ein Charakter!)." (Vorbericht über die geplante Aufführung des Fliegenden Holländer an der Metropolitan Opera New York, in: Aufbau, Nr. 21, 15. November 1939.)

Herbert Janssen, geboren am 22. September 1882 in Köln, studierte zunächst Jura, diente als Offizier im Ersten Weltkrieg und begann gegen den Willen seiner Eltern mit dem Gesangstudium, obwohl sie ihm den Unterhalt entzogen. Die Mutter besticht einen Gesanglehrer, um ihm - "die Stimme ist hoffnungslos" - die Gesangkarriere auszureden. 1922 Telegramm an die Mutter: "Engagiert Berliner Staatsoper." Ihr Glückwunschgeschenk: ein Konzertflügel. 5. Mai 1922: Debüt in Franz Schrekers Der Schatzgräber. Janssen erarbeitet in wenigen Jahren ein riesiges Repertoire. Im Mittelpunkt: die lyrischen Partien von Verdi und Wagner. Von 1926 bis 1939 gastiert er während der "deutschen Saison" an der Covent Garden Opera, neben Lotte Lehmann, Frida Leider, Lauritz Melchior. Er wird gefeiert als poetischer Wolfram von Eschenbach und unvergleichlich expressiver Amfortas. 1930 Debüt in Bayreuth als Wolfram unter Arturo Toscanini. Gastspiele in Wien und in Buenos Aires.

1937 verlässt er Deutschland. Keiner zwingt ihn, im Gegenteil: Noch im Frühjahr ist ihm neben Kollegen, die Parteimitglieder waren, der Titel Kammersänger verliehen worden. Aber die Braunhemden waren ihm unerträglich. Er geht an die Wiener Staatsoper und emigriert nach dem Einmarsch der Wehrmacht im März 1938 - zunächst nach England, dann endgültig in die USA. 1939 debütiert er in Philadelphia als Wanderer in Siegfried, am 29. Januar 1939 als Wolfram an der Metropolitan Opera in New York. Bis 1952 sang er dort 14 Rollen in 152 Aufführungen, nach Friedrich Schorrs Rückzug von der Bühne auch die schweren Partien von Wagner. Danach arbeitete er als Gesanglehrer. Er starb am 3. Juni 1965 in New York.

Janssen besaß eine lyrische Baritonstimme von samtiger Klangschönheit und nobler Expressivität. Wie wenige andere verwirklichte er durch seine poetische Textbehandlung und seine edle Tongebung Wagners Ideal eines "vaterländischen Belcanto". Als großartiger Liedersänger wurde er von dem englischen Produzenten Walter Legge für die bahnbrechende Edition mit Liedern von Hugo Wolf gewonnen.

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