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Julius Gutmann
Der Bass Julius Gutmann, Sohn des Oberkantors und Komponisten Baruch Gutmann, wurde am 18. Juni 1889 in Andrechan nahe Prag geboren. Nach dem Studium in Berlin war er ab 1916 in Krefeld, Freiburg i. Br. und in Duisburg unter Vertrag, bevor er in der Saison 1923/24 an das Hamburger Stadttheater wechselte. Zu seinem Repertoire gehörten Osmin in Die Entführung aus dem Serail, Leporello in Don Giovanni, Rocco in Fidelio, Kaspar in Der Freischütz, Kezal in Die verkaufte Braut, Ochs in Der Rosenkavalier, Marke in Tristan und Isolde und Alberich, den er 1929 bei einer Pariser Ring-Aufführung im Théâtre des Champs-Élysées verkörperte. Gutmann galt als einer der eindringlichsten Darsteller dieser Rolle und wurde damit auch zur Projektionsfläche der aggressiven Ressentiments der Nazis. Sein Vertrag wurde am 31. Juli 1934 gekündigt. Gutmann war Mitglied der Hamburger SPD und in der Kulturarbeit der Gewerkschaften aktiv. Er unterstützte auch von Beginn an die Arbeit des Jüdischen Kulturbundes.

Noch 1934 ging Gutmann ins Exil - an das Deutsche Theater in Prag. Als führender Bass sang er neben den vorerwähnten Rollen auch den Großinquisitor in Don Carlos, Boris in Schostakowitschs Katarina Ismailowa, Klingsor in Parsifal und - seine letzte Aufführung vor der Schließung des Theaters am 25. September 1938 - als Wurm in Verdis Luisa Miller. 1937 gastierte er unter Erich Kleiber an Teatro Colón in Buenos Aires. Nach seiner Entlassung in Prag am 30. Oktober 1938 nutzte er ein Gastspiel-Engagement an der Londoner Covent Garden Opera und floh im Juni 1939 nach England. Nur mühsam konnte er mit Arienabenden und vereinzelten Opern-Auftritten für Exil-Organisationen oder für englische Truppen sein Leben fristen. Hauptsächlich schlug sich Gutmann als Gesanglehrer durch. Zu seinen Schülern gehörte vermutlich der Tenor Peter Pears.

Der Versuch seines Sohnes, ihm 1947 wieder eine Stellung an der Hamburgischen Staatsoper zu verschaffen, scheiterte - wahrscheinlich wegen seines Alters. Gutmann emigrierte ein zweites Mal, diesmal in die USA. Dort arbeitete er bis zu seinem Tod am 22. Oktober 1960 als Gesanglehrer. Tondokumente waren bisher nicht ausfindig zu machen.

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