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Fritzi Jokl 
"Erinnerungen, zugleich wehmütig und beglückend, sind in dem Referenten emporgetaucht, als er inmitten eines überfüllten Hauses den Seder-Pessach-Abend vom 20. April genoss. Die stärkste war die erneute Begegnung mit Fritzi Jokl, die ihm mit ihrem zur Unfehlbarkeit durchgebildeten Koloratursopran und mit dem Charme ihrer Gestaltungsweise zuerst in seiner mainischen Heimat und zuletzt von der Berliner Kulturbund-Bühne her Bewunderung abzwang." (Kritik eines Konzertes in New York in der Exil-Zeitung Aufbau vom 1. Mai 1938.)
Fritzi Jokl, geboren am 23. März 1895 in Wien, studierte bei der Frau des Klaviervirtuosen Moritz Rosenthal. Ihr erstes Engagement führte sie zwischen 1917 und 1922 an die Oper von Frankfurt. Schlank und grazil sang sie einige der für koloraturgeläufige Soprane geschriebenen Pagen-Partien: Urbain in Giacomo Meyerbeers Die Hugenotten und Oscar in Verdis Ein Maskenball, Blondchen in Mozarts Entführung und Sophie in Der Rosenkavalier. Von 1922 bis 1923 war sie am Landestheater Darmstadt engagiert, zwischen 1923 und 1925 an der Berliner Volksoper unter der Ägide des Dirigenten Eugen Szenkar, auch er später ein Opfer der "Säuberungen". Sie sang Partien wie Konstanze, Norina in Don Pasquale und selbst Violetta in La Traviata. Nach der Schließung der Volksoper nahm Szenkar sie mit nach Köln. Sie gewann rasch die Herzen des Publikums, auch das, wie verbürgt ist, des Oberbürgermeisters Konrad Adenauer. Der Erfolg sicherte ihr nicht nur einen Vertrag für die Salzburger Festspiele, sondern auch 1926 ein festes Engagement an der Staatsoper München, der sie bis 1932 angehörte. Da der Wechsel an die Berliner Krolloper wegen deren Schließung nicht zustande kam, kehrte sie noch einmal an das Landestheater Darmstadt zurück.
Dort wurde sie im Frühjahr 1933 aufgrund ihrer jüdischen Herkunft entlassen. Es blieben nur die wenigen Auftritte in den Opern und Konzerten des Jüdischen Kulturbundes unter Dirigenten wie Joseph Rosenstock und Hans Wilhelm Steinberg, die in Mannheim und Frankfurt entlassen worden waren. Als Star des Berliner Kulturbund-Ensembles sang sie u. a. Susanna in Mozarts Figaro, Olympia in Offenbachs Hoffmanns Erzählungen und Micaëla in Bizets Carmen. 1935 oder 1936 emigrierte sie zunächst nach Österreich und von dort aus 1936 oder 1938 weiter in die USA. An ihre Erfolge in Europa konnte sie im Exil nicht mehr anknüpfen. Ihre Karriere war mit der Flucht beendet. In New York heiratete sie den Schriftsteller Jack Siegel. Nur noch selten war sie im Rahmen jüdischer Feiern und in Konzerten von Emigranten-Organisationen in New York zu hören. Am 15. Oktober 1974 ist die Sängerin in New York gestorben.
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